Die Abrechnung

von Thomas Hein

Am 1. Juni 2016 jährt sich die Einführung des Bestellerprinzips zum ersten Mal. Zeit für uns ein Resümee zu ziehen und die speziellen Auswirkungen auf einen ländlichen Immobilienmarkt zu analysieren.

Zu erst einmal ist festzuhalten, dass der Grundgedanke einer finanziellen Entlastung des Mietinteressenten in angespannten Wohnungsmärkten begrüßenswert ist. Aufgrund von fehlendem Wohnangebot in den deutschen Ballungszentren kam es zu einem Nachfrageüberhang, wodurch es für die Vermieter nicht mehr nötig war die Maklercourtage zu tragen. Dies musste in diesen entsprechenden Regionen der Mieter tun. Aus diesem Grund war Handlungsbedarf notwendig.

Warum die Bundesregierung dies aber bei so einem facettenreichen Immobilienmarkt wie dem deutschen nicht (gleich der Mietpreisbremse) nur in Märkten mit angespannter Wohnsituation durchsetzte, sondern flächendeckend für das gesamte Land, bleibt mir und wohl vielen anderen Immobilienmaklern in ländlichen Gegenden wohl für immer ein Rätsel.

Gerade bei uns im Erzgebirge in dem es Städte gibt die nach wie vor von großen Leerstandzahlen gekennzeichnet sind, gibt es viele Vermieter, die sich die für den Makler wirtschaftlich notwendigen 2 Kaltmieten Courtage, nicht mehr leisten können. Dem Makler bleibt nichts anderes übrig als mehr für große Gesellschaften/Investoren tätig zu werden, sprich sein Geschäftsmodell umzustellen oder die Vermietungstätigkeiten zu verringern.

Doch wer leidet am Ende am meisten unter dieser blinden, flächendeckenden Regulierungswut? Die Vermieter und die Mieter. Die Vermieter, da sie es aus Kostengründen meist selbst versuchen ihre Wohnung zu vermieten und bedingt durch fehlendem rechtlichem Fachwissen Fehler begehen und die Mieter weil sie nun auf eine Vielzahl von schlechten Exposés stoßen, schlechte Besichtigungen erleben und teils fehlerhafte Mietverträge abschließen. Andere Vermieter legen die Mehrkosten evtl. sogar auf die Kaltmiete um. Dies ist Punkt eins wodurch das Bestellerprinzip für und als Immobilienfirma im Erzgebirge nach wie vor ein absolutes „No-Go“ darstellt.

 

„Die deutsche Regulierungswut zwängt Ideenreichtum und Kreativität in ein Korsett.“ – Helmut Thoma

 

 

Der zweite Punkt ist die Umsetzbarkeit in der Praxis. Im Gesetzt heißt es, es „bezahlt derjenige den Makler der ihn bestellt“. Das heißt im Umkehrschluss wenn ich als Immobilienmakler vom Interessent eine Courtage verlangen möchte, ginge das nur über einen Suchauftrag. Kunde Herr X gibt mir den Auftrag eine Wohnung zu finden. Meinen eigenen Bestand kann ich ihm nun nicht mehr anbieten, da dort der Verkäufer/Vermieter der mir einen Auftrag zur Vermittlung erteilt hatte, schon der Besteller ist. Nun kann ich lediglich nach Wohnungen suchen die noch nicht veröffentlicht sind. Also nach Wohnungen die noch kein anderer Makler vertreibt.

Dies ist in der praktischen Umsetzung nicht möglich! Es sind schlicht und ergreifend keine Angebote vorhanden. Selbst wenn ich einen Vermieter finden würde, der eine freie Wohnung hat, muss er mich trotzdem erst einmal für Besichtigungen in seine Wohnung lassen. Das heißt ich muss nach dem ich einen Wohnung gefunden habe auch noch den Vermieter von mir und meinem Interessenten überzeugen bevor er mich überhaupt in seine Wohnung lässt. Und dass alles nur damit der Kunde evtl. am Ende absagt weil seine Einbauküche nicht rein passt? Hier stehen Aufwand und Nutzen in keinerlei Verhältnis mehr. Wer eine spezielle Wohnung sucht und den Makler beauftragt (und sicherlich auch selbst bereit ist eine Kaltmiete Courtage zu zahlen) der muss einfach auch aus dem Bestand des Immobilienmaklers bedient werden können. Dies verbietet aber das Bestellerprinzip.

Aus diesem Grund mussten auch wir leider unser Geschäftsmodell umstellen und arbeiten nun ausschließlich aus dem Bestand heraus. Am Ende muss gesagt werden, dass auch aufgrund der unmöglichen praktischen Umsetzung des Bestellerprinzips der Mietinteressent wieder derjenige ist der darunter leidet.

Ich hoffe Sie konnten dadurch einen kleinen Einblick in die Praxis erhaschen und können nun ein paar Auswirkungen des Bestellerprinzips auf einen „ländlichen“ Immobilienmakler nachvollziehen.

Viele liebe Grüße aus Aue im Erzgebirge

Thomas Hein

 

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